Auch wenn diese Touren schon einige Zeit zurück liegen, sind die Erinnerungen noch stark genug, um das Erlebte aufzuschreiben. Auch die Orte und Unterkünfte sind noch gegenwärtig. Die erstellten Karten geben sicherlich nicht zu 100% die damals gefahrenen Strecken wieder. Aber zu einem Großteil stimmen sie mit der Wirklichkeit überein!

Natürlich kann man hier nicht alles lesen, was wir erlebt haben. Das ist ja nicht Sinn der Sache! 🙂 Ich möchte nur, dass der Leser einen Eindruck von unseren Touren bekommt. Eventuell ist dies ja auch ein Anreiz selbst solche Unternehmungen zu starten. Ich kann nur jedem empfehlen, der so etwas vor hat und die Möglichkeit besitzt, aber noch unentschlossen ist, dies sofort in Angriff zu nehmen! Vielleicht ist es morgen schon zu spät! 😉

Besonders freut es mich, dass ich noch Fotos der Tour ums Frische Haff von Uwe erhalten habe. So bekommt der Leser auch noch einen visuellen Eindruck von unserer Fahr!

 

Masuren

Vor mehr als 10 Jahren war ich mit drei Freunden (Uwe, Wolfgang und Rolf) erstmals in Polen. Wieso Polen, so könnte man fragen. Irgendwie stöberte Masuren bereits seit Langem als lohnendes Ziel in meinem Kopf herum. Häufig habe ich in verschiedenen Fernsehsendungen ein Bild von der Schönheit Masurens vermittelt bekommen. Endlose Wälder, tiefblaue Seen, ursprüngliche Dörfer, unberührte Natur, und wer so etwas mag, ist dort genau an der richtigen Stelle!

Entsprechende Unterlagen wurden im Internet gefunden und angefordert. Das las sich alles sehr gut und hörte sich sehr interessant an. Nach und nach konnte ich meinen Bekannten diese Tour schmackhaft machen. Die Idee verfestigte sich immer mehr. Und aus der bloßen Überlegung wurde dann schließlich die entgültige Planung! Anfangs waren wir zu dritt. Als Rolf von dieser Tour erfuhr, wollte auch er unbedingt mit. Das „Kleeblatt“ war komplett!

Es gab zwar auch seinerzeit schon Reiseanbieter die Pauschalreisen und Radtouren durch Masuren anboten. Aber so ganz das Richtige war das nicht für uns. Wir wollten nach Möglichkeit selbst bestimmen wo, wie lang und schnell wir fahren wollten. Vorgaben wollten wir uns jedenfalls keine machen lassen. Doch Masuren ist weit und wie ließ sich unsere Reise am besten organisieren. Ein Zufall kam uns zur Hilfe. Der Kreis Schleswig Flensburg unterhält eine Partnerschaft zur Stadt Pisz, früher Johannesburg. Einer der Mitfahrer war damals beim Kreis angestellt. So wurde der erste Kontakt zu einer Frau hergestellt, die uns zum Beginn und Ende unserer Tour bei sich aufnehmen würde. Also der erste Schritt war getan. Wie kommen wir aber dort hin? Masuren grenzt immerhin an die russische Enklave Kaliningrad und an Litauen. Eben keine kleine Strecke! Da niemand mit dem Auto fahren wollte, mussten wir die Bundesbahn und polnische Staatsbahn bemühen. Und für die Reise brauchten wir sage und schreibe ca. 24h. Unsere Räder haben wir vor Ort gemietet. Das waren nun gerade nicht die besten Räder und für längere Strecken nicht unbedingt geeignet. Aber eine Auswahl stand uns nicht zur Verfügung, also nahmen wir, was man uns gab. Die mangelnde Eignung der Räder wurde durch die einmalige Landschaft und Gegend kompensiert.

Unsere erste Etappe ging von Pisz über Mikolajki nach Ryn. Am zweiten Tag ging es weiter entlang des Jezioro Niegocin nach Gizycko. Hier musste das erste, aber auch das letzte Mal, ein Reifen geflickt werden. Die Nacht verbrachten wir in Krulanki, einem sehr kleinen, ursprünglichen Dorf. Da Uwe unbedingt einmal privat übernachten wollte, wurde nach dem Schild „Prokoje“ Ausschau gehalten. Und in eben diesem kleinen Dorf fanden wir eine private Unterkunft bei sehr netten und rührigen jungen Leuten. Hier verbrachten wir eine ruhige, erholsame Nacht in bügelwarmen Betten. Auch für unsere Räder gab es eine sichere Unterstellmöglichkeit. Und ganz in der Nähe unseres Quartieres gab es für Wolfgang leckere Bratkartoffeln! Sein Leben lang wird er diese Bratkartoffeln nicht vergessen! Auch heute noch schwärmt er von diesen Kartoffeln. *lachenmuss*

Da wir von wilden Wisenten gehört hatten, die im NSG Borecka zu finden sein sollten, machten wir uns am dritten Tag auf die Suche nach den Tieren. Einige Male hatten wir gefragt wo wir die Wisente sehen könnten. Immer gab man uns höflich Auskunft. Aber so weit wir auch fuhren, Wisente fanden wir keine. Dafür aber einen sehr schönen Platz zum Übernachten. In zwei Holzhäuser, direkt am See gelegen, verbrachten wir die Nacht in Wydminy. Die vorletzte Etappe führte uns dann nach Mikolajki. Hier übernachteten wir in einem Hotel direkt am Hafen. Mindestens drei mal wurden wir des Nachts von Alarmanlagen geweckt, weil sich irgend jemand an den Booten direkt vorm Hotel zu schaffen gemacht hatte. Unsere Räder standen gut behütet im Zugang zum Hotel!

Den größten Teil des Rückweges am letzten Tag wurde mit dem Schiff erledigt. Bis nach Ruciane Nida wurden wir mit den Rädern transportier. Wir konnten hierbei völlig entspannt und ohne Anstrengung die einzigartige Natur genießen. Einige Kilometer mussten wir aber doch noch mit dem Rad zurücklegen. Um das Philipponen Kloster in der Nähe von Wojnowo zu besichtigen, mussten wir einen Umweg, der sich wirklich gelohnt hat, machen. Das Kloster liegt wunderschön am Drusensee. Auch die Ikonen im Inneren der orthoxen Kirche sind sehenswert, wenn man auch merkt, dass das Geld für die Unterhaltung und Pflege der Anlage fehlt. Den letzten Abend verbrachten wir wieder in Pisz bei unserer Gastgeberin ganz gemütlich auf der Terrasse. Zurück ging es dann wieder mit der Bahn.

Hinter uns lagen 5 schöne Radtouren. Die Landschaft, Städte und Dörfer konnten wir bei sehr schönem Wetter genießen. Wir radelten überwiegend auf geteerten Nebenstraßen, mit wenig Autoverkehr, und festen Sand- und Waldwegen. Und irgendwie war es wie eine Reise in die Vergangenheit und in die eigene Kindheit. Wenn auch niemand von uns aus Masuren stammt, und keiner seine Wurzeln dort hatte, so erinnerten die vielen Störche die wir sahen, die unberührte, ursprüngliche Natur durch die wir radelten, die alten, kleinen Dörfer mit Sandwegen und Kopfsteinpflaster, und das ein oder andere Pferdegespann welches wir begegneten, doch sehr an die zurückliegende Kindheit in der wir all das noch gesehen und erlebt hatten. Wir sammelten Eindrücke, die man wohl nicht vergisst!

 

Die Streckenführung

 

Elblaq, Marienburg und das Frische Haff

Die zweite Tour startete in Elblaq im Ermland. Da wir uns die lange Fahrt mit der Bahn diesmal sparen wollten, fuhren wir mit dem Auto. Wenn auch schon die Anfahrt mit dem Auto viele Stunden dauert, ist sie doch um mehr als die Hälfte an Stunden kürzer! Nur unsere Räder konnten wir auch diemal nicht mitnehmen. Wieder waren wir zu viert. Diesmal war Gerd, der Bruder von Wolfgang, anstatt Rolf dabei. Das Hotel war gebucht, auch der bewachte Parkplatz fürs Auto und die Leihräder! Und wieder erlebten wir hiermit eine Katastrophe. Sie waren zwar neu, aber es waren Jugendräder. Viel zu klein für uns und passten daher überhaupt nicht. Aber so war es nun mal, und unsere Rundtour mit dem Rad wollte wir deswegen nicht aufgeben. Irgendwas ist ja immer, da macht man nichts. So stellten sich sehr schnell Probleme mit dem Sattel bei dem einen oder anderen von uns ein. Auch taten die Beine und Knie sehr schnell weh, was im Grunde natürlich kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass Wolfgang und Gerd mind. 1,85m groß sind. Es ist also kein Wunder, dass die Strecken nicht so lang sind wie geplant. Eigentlich wollten wir bis Danzig radeln. Unter normalen Umständen kein Problem, mit diesen Rädern blieb dieses Ziel für uns nur ein Wunsch. Trotz all dieser Probleme haben wir sehr viel Spass gehabt und haben wieder sehr viele unvergessliche Eindrücke gesammelt. Das Ermland ist schon ein sehr schönes Fleckchen Erde.

Auf unserer Rundtour sind wir mit unterschiedlichen Phasen der deutschen Geschichte in Berührung gekommen. In Marlbork besichtigten wir die Marienburg, die bedeutendeste Burganlage des Deutschritterordens. Sie war ca. 150 Jahre lang der Sitz des Hochmeisters des Ordens und gilt als größter Backsteinbau Europas. Seit sehr vielen Jahren sind die Polen damit beschäftigt diese Burg zu restaurienen und in den ursprünglichen Zustand zu versetzen. Die Ordensburg ist ein gewaltiges Bauwerk und man sollte nicht versäumen diese zu besichtigen.

 

Später dann kamen wir an dem ehemaligen Konzentrationslager in Stutthof vorbei. Ohne eine Besichtigung dieses Mahnmals der unrühmlichsten deutschen Gesichte konnten wir nicht weiter fahren. Hier hatten die Nationalsozialisten hauptsächlich die polnische Elite inhaftiert und vernichtet. Die Gedanken und Gefühle, die einem bei der Besichtigung dieses Lagers in den Kopf kommen, lassen sich nur schwer beschreiben. Sie werden aber unstrittig immer in unseren Köpfen bleiben!

In Frombork kamen wir dem Wirken und der Arbeit von Kopernikus ganz nah. In einem Museum kann man Experimente und die Ergebnisse seiner Arbeit ansehen. Auch an der Sommerresidenz des letzten deutschen Kaisers in Kadinen, heute Kadyny, kamen wir vorbei. Es gab dort immer noch ein Gestüt, aber deutlich waren die Spuren der Zeit zu erkennen. Die Landschaft um das Haff und auf der Nehrung ist wunderschön, und an einigen Stellen wurden wir an unsere herrliche Landschaft an der Schlei erinnert. Hier hatten wir eine sehr schöne Unterkunft und ein tolles Frühstück im Freien bei Sonnenschein und Blick auf das Haff! Herz was willst du mehr.

Nachdem wir zurück in Elblaq waren, mussten wir uns dann aber auch noch unbedingt eine Meisterleistung der deutschen Ingenieurkunst ansehen und erleben. Mit einem Ausflugsschiff befuhren wir den Oberländischen Kanal. Es ist schon erstaunlich zu welcher gewaltigen Leistung der Mensch in der Lage ist und mit welcher Zuverlässigkeit er eine Technik entwickeln kann, die bis zum heutigen Tag ihren Dienst leistet. Die Schiffsfahrt „über Land“, in Verbindung mit dem Erleben einer unberührten, wunderschönen Natur, ist schon etwas ganz besonderes.

Während dieser Touren haben wir jeweils ca. 250 km geradelt. Wenn das auch nicht so viel war, wie ich heute gern fahren würde, so waren sie doch geprägt von unvergesslichen Eindrücken und Erlebnissen!

Diese Touren, allein oder in Kombination miteinander, kann ich nur empfehlen.

Rund ums Frische Haff